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Cornelia HEDIGER in Hamburg


The fragmented self-portraits from the series “Doppelgänger” provide an insight into the wonderful and imaginative everyday world in which the protagonist embarks and reflects herself. While the first images from the Doppelgänger series were realized rather spontaneously, the images that followed were based on more detailed sketches that helped to stage more precise stories. For each fragment within the set, Hediger takes numerous photographs that are followed by careful selections to complete the tableaux.

 

Doppelgänger 07.10.09, Die Doppelgänger © Cornelia Hediger

Doppelgänger 07.10.09, Die Doppelgänger © Cornelia Hediger

Cornelia Hediger

8. Juni bis 30. August 2017

DEAR Art Room

Hamburg

www.dearphotography.com

 

 

 

 

 

 

 

 

PR Info _ „Ich verwende die Kamera als visuelles Tagebuch“, sagt die New Yorker Künstlerin Cornelia Hediger mit Schweizer Wurzeln. Ihre photographischen Arbeiten sind eine Reflektion ihres Lebens. Seit 2004 photographiert Cornelia Hediger ihre internen Dialoge tiefsinnig geplant und aufwendig konstruiert.

Die Methode in ihrer Serie „The Doppelganger“ einzelne Bilder zu photographieren und sie zusammen in ein Raster zu bringen, erlaubt ihr nicht nur Raum und Körper zu verzerren, sondern auch das Selbst, wie bei einer gespaltenen Persönlichkeit zu brechen. Die Idee des Doppelgängers ermöglicht der Künstlerin das Alter Ego, den bewussten Verstand gegenüber dem Unbewussten, die inneren Konflikte, die Dualität zwischen Gut und Böse und gespaltenen Persönlichkeiten zu betrachten. Ihre Arbeiten faszinieren: Bis zu drei Tage kann es dauern, bis eine zwölfteilige Arbeit im Kasten ist.

Die Serie „Puppenhaus“ schafft mit ihren wunderlichen Erzählungen eine perfekte Verbindung zu den Doppelgänger Arbeiten. Die Collagen aus einer Kombination von Pigment- und Gelatine-Silberabzügen nehmen den Betrachter mit auf eine Reise in die fiktive Welt der Künstlerin: Gebaut aus unregelmäßig geschnittenen Fragmenten ihres Selbst, dem Elternhaus in der Schweiz, Reisen durch Europa und familiären Artefakten.

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Fabrik Fotoforum.

Info + illus. courtesy DEAR Art Room

ARTitecture des Monats (6): Alice Musiol


Unsere neue Reihe ARTitecture des Monats präsentiert Werke, die ARTitecture thematisieren, quer durch alle Epochen und Kontinente, alle Stile und Techniken, von bekannten Künstlern und Künstlerinnen ebenso wie vom zeitgenössischen Nachwuchs.

Und das Beste – wir freuen uns auf Input! Hier könnt ihr, liebe Leser und Leserinnen, euch mit einbringen. Lasst uns wissen, welches euer ARTitecture-Werk des Monats ist, das hier unbedingt vorgestellt werden sollte! Hier in den Kommentaren, bei Facebook oder per Email. Wir sind gespannt auf eure Favoriten!

Our new series ARTitecture of the month is putting art works on the spot that show ARTitecture, through all epochs and continents, all styles and techniques, from well-known artists to the contemporary generation.

And it gets better – we are looking forward for your input! Dear readers, let us know which is your ARTitecture art work of the month and share your  favorites with us, using the comments here or on facebook or email it to us directly.

Alice Musiol, Ohne Titel V (2011), 310 x 310 x 16 cm, Toastbrot, Stecknadeln Ausstellungsansicht Wilhelm-Hack-Museum, 2011 (c) Alice Musiol, alicemusiol.de / VG Bild-Kunst, Bonn

Alice Musiol, Ohne Titel V (2011), 310 x 310 x 16 cm, Toastbrot, Stecknadeln Ausstellungsansicht Wilhelm-Hack-Museum, 2011 (c) Alice Musiol, alicemusiol.de / VG Bild-Kunst, Bonn

Ein Häusermeer. Die Reihenhaussiedlung in extremo. Und en miniature. Alice Musiol hat aus Toastbrotscheiben gewissermaßen den Prototyp Haus gebaut: Seite, Seite, Decke, Dach, dazu noch Fensterchen eingeschnitten, fertig ist das Häuschen. Eine „Bauweise“, die auch bei mancher Reihenhaussiedlung nicht komplexer zu sein scheint. Die Installation – zu sehen 2011 etwa in I love Aldi in Ludwighafen und Desperate Housewives 2015 in Würzburg – entwickelt eine subtile Sprengkraft, je länger man sie betrachtet.

Zunächst ein ironischer Blick – aus labbrigem Toastbrot x identische Häuschen basteln!
Das ideale Leben im Reihenhäuschen von der Stange, gesichtslos, uniform, ein Teilchen in der Masse. Der Traum kann auch nach hinten losgehen.

Und: Kann man so mit Lebensmitteln umgehen? Aber ist so ein Toastbrot für 80 Cent nicht doch kaum mehr als Füllmaterial, Wegwerfartikel?

Und: Ist das Kunst? Wenn sie nach der Ausstellung weg muss, weil verdorben? Ist das Kunst, wenn sie nicht auf den Markt kann? (Tatsächlich verdirbt das Brot dank Zusatzstoffen nicht, nach dem Eintrocknen der Toastbrotscheiben kann praktisch nichts mehr passieren. Nur wenn das Brot feucht wird, kann es von Schimmel oder Ungeziefer befallen werden.)

(Herzlichen Dank an Alice Musiol für die Bereitstellung der Abbildung.)

Pixelprojekt_Ruhrgebiet: NEUAUFNAHMEN 2016/2017 in Gelsenkirchen


Since its initiation in 2003, the Pixelprojekt_Ruhrgebiet has grown year by year – 2017 by a further of 21 photo series of 18 photographers. Dealing with various regional historical and contemporary aspects, they have created images with their own artistic and mostly documentary language. The pictures are focused on the heart and make regionality experienceable apart from statistics and numbers.

 

Jutta Schmidt aus der Serie "Nebensaison"

Jutta Schmidt aus der Serie „Nebensaison“

Pixelprojekt_Ruhrgebiet: Neuaufnahmen 2016/2017

Regionalität im Bild erfahren – über die Augen direkt ins Herz

8. Juni bis 30. September 2017

Wissenschaftspark Gelsenkirchen

www.pixelprojekt-ruhrgebiet.de

 

 

 

PR Info _ 21 Fotoserien von 18 Fotografinnen und Fotografen ergänzen 2017 das Pixelprojekt_Ruhrgebiet. Jenseits des Mainstreams setzen sich die Neuaufnahmen bereits zum 14. Mal mit historischen und aktuellen Aspekten der Metropole auseinander und formen damit ein einzigartiges regionales Gedächtnis mit Mitteln der Fotografie im Internet.

Einen Schwerpunkt bildet in diesem Jahr das Thema „Flüchtlinge“: Brigitte Kraemer beleuchtet in der Serie „Das große Warten – Geflüchtete im Ruhrgebiet“ die regionale Migrationsgeschichte, und auch Alexandra Breitensteinmit der Serie „Home Stories – Unsere neuen Nachbarn“ sowie Jutta Schmidt mit der Serie „4 Tonnen Luft“ nehmen sich der Thematik an.

Simon Grunert aus der Serie "Panda Ruhr"

Simon Grunert, aus der Serie „Panda Ruhr“

Einen Blick auf ganz unterschiedliche Menschen wirft auch das Fotografenduo Uwe Engels und Jacqueline Kraemer. In der Porträtserie „ICH“ fokussieren sie intensiv und rücksichtsvoll die Individualität jedes einzelnen Schülers der Hilda-Heinemann-Schule (Bochum), einer Schule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensräumen stehen auch in den Serien „Im Pott“ von Yolanda vom Hagen, „FIBO“ von Tom Stern und in „PAIN!“ von David Klammer im Mittelpunkt. Auch die historischen Serien „Im Gleisdreieck“ von Frank B. Napierala und „Kohlenpott-Kinder“ von Karsten Fricke thematisieren das soziale Miteinander im Ruhrgebiet.

Vergänglichkeit und Veränderung fängt die Fotografin Jutta Schmidt mit Fotos rund um den Dortmunder Phoenixsee sowie in der Serie „Reinhard geht“ ein. Vom Wandel im architektonischen Bereich berichten die Serien „Umbau“ von Wolfgang Fröhling und „Vergangenheimat“ von Martin Strathmann. Im Gegensatz dazu versucht die Serie „Panda Ruhr“ von Simon Grunert an den Rändern des urbanen und industriellen Bereiches eine Charakterbestimmung – fernab von naheliegenden fotografischen Projektionsflächen – zu erschaffen.

Zudem geht Cornelia Wimmer in „Dortmund Nord“ auf eine fotografische Entdeckungsreise mitten in der Stadt, während sich Jasmine Shah in ihrer Serie „No Go – Go Now / Duisburg – Marxloh“ die Frage stellt, warum man eigentlich diesen Stadtteil nicht mehr aufsuchen sollte. Christoph Jendral befasst sich in der Serie „Mercedes-Benz“ hingegen mit den schöneren Seiten des Lebens und widmet seine Fotografien „Auto-Schraubern“ aus Bochum. Unter dem Titel „Das Große Spiel: Ausstellungsaufbau“ gewährt Tom Stern Einblicke in den Aufbau einer Sonderausstellung im Ruhr Museum Essen. Durch die Linse von Daniel Kessen gibt es gleich zwei Blicke auf das Ruhrgebiet: Zum einen in der Serie „hier und jetzt – mein zwanzig Pfennig Ruhrgebiet“. Zum anderen zeigt er in seiner Serie „Castroper Sümpfe“ die grüne Seite der Region. Tierisch geht es bei Robert Schumacher zu: Er inszeniert auf stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Fotografien Tiere in der Serie „Zootopia“.

Info + illus. courtesy Pixelprojekt_Ruhrgebiet

Stanislaw Chomicki: Pinhole Towers – Fotografie mit der Lochkamera


Stanislaw ChomickiFast alle Hochhäuser in Frankfurt hat Stanislaw Chomicki in seinem Projekt »Pinhole Towers« festgehalten – per Lochkamera. Die mehrfach ausgezeichneten Arbeiten waren schon rund um die Welt zu sehen, von Frankfurt über Curitiba, Bochum, Washington bis Vilnius, Linz, San Francisco, Stuttgart, und zuletzt auch im Rahmen der vergangenen Biennale in Venedig.

Modernisierung des Pariser Louvre


Pariser LouvreIm Rahmen des Pyramid Project, wurde der Empfangsbereich des Louvre unterhalb der Pyramide in den Jahren 2014 bis 2016 umfangreich neu gestaltet. Die 1989 eröffnete Pyramide wurde ursprünglich für 4,5 Millionen Besucher pro Jahr entworfen und ein Vierteljahrhundert später nähert sich die Besucherzahl des Museums der Zehn-Millionen-Marke. Die zu klein gewordene Infrastruktur des Empfangsbereichs führte bei den Besuchern zu spürbaren Unannehmlichkeiten. (Pyramide: I.M. Pei)

Der Tisch als Werkbank


planmöbel stattet Berner Group Rheinauhafen mit unit ausDer Gebäudesolitär des Kölner Kontor 19 steht in direkter Nachbarschaft zum prominenten Ensemble der drei Kranhäuser am Rheinauhafen. In dieser binnenmaritim geprägten Lage hat sich die Berner Group eine Bürolandschaft gestalten lassen, die mit Werkstatt-Referenzen auf die Firmen-DNA verweist. Bei den Arbeitsplätzen setzt das Büro hell und freundlich auf das modulare Möbelsystem unit von planmöbel.

Lösung für Kostenplanung, BIM und Abrechnung


California.proDie mit dem BIM-Prozess verbundene Digitalisierung von Planen und Bauen kann zu einer erheblichen Steigerung der Wirtschaftlichkeit führen. Besonders im Bereich Kostenplanung und AVA ergeben sich Zeiteinsparungen, verbunden mit verringertem Fehlerrisiko und verbesserter Transparenz.

Quantensprung in der Dämmtechnik mit Glas


Isolierglas-Produktlinie sedak isomaxDie neue Isolierglas-Produktlinie »sedak isomax« hat einen U-Wert bis 0,23 W/m²K. Die Zweifach- oder Dreifach-Gläser gibt es in den für den Hersteller typischen Überformaten bis 3,2 x 16 Meter. Sie sind kombinierbar mit allen herkömmlichen Fassadensystemen. So lassen sich leicht Glasfassaden mit minimalem Wärmeverlust realisieren.

Modulares Oberlicht-System in einer schwedischen Berufsschule


VELUX Modulares Oberlicht-SystemNicht nur manche Schüler, auch das Schulgebäude des schwedischen Sågbäcksgymnasiet musste lange Zeit mit einem »Ungenügend« beurteilt werden: Dunkle Gänge, graue Wände und enge Klassenzimmer prägten bis vor kurzem das Bild der maroden Berufsschule südlich von Stockholm. Erst die längst fällige Sanierung des 60er Jahre Baus brachte nach zehn langen Jahren unterschiedlichster Entwürfe und Ideen endlich Licht ins Dunkel.

„Eine Illusion, die als Illusion daher kommt, ist faszinierend, aber sie ist auch in sich logisch und bewahrt dadurch ihre Distanz.” INTERVIEW mit Katharina Kiebacher


Katharina Kiebacher erforscht die Mehrdeutigkeit. Vor allem und immer wieder mit und in der Fotografie, aber auch mit Materialien wie Keramik. Wie entsteht Illusion, wie lässt sie sich erzeugen? Mit der Kamera begibt sie sich auf die Suche, sammelt Situationen und Motive, die einen meist offenen, unfertigen, einen nicht auserzählten Charakter haben. Digital bearbeitet (aber nicht wesentlich verändert) entstehen daraus gebaute Bildräume, die aus der vorgefundenen Realität kommen, dabei aber Momente haben, die nicht „stimmen“.

Wolke 2015 C-Print 67 x 50 cm

Wolke 2015, C-Print, 67 x 50 cm

Diese Illusionen sind jedoch kein täuschendes Vexierbild, kein Trompe l’oeil, es ist nicht kenntlich, dass es sich um eine Illusion handelt (denn dabei ist, bei aller vorgetäuschten Wirklichkeit, klar, dass es sich um eben dies handelt. Die Grenzen sind klar.) Bei Kiebacher sind die Grenzen zwischen real und illusorisch sofort nicht greifbar. Etwas irritiert auf subtile Weise.

Die Künstlerin erforscht, wie Fotografie und Bild-Sehen funktioniert. Häufig ist der gebaute Raum Ausgangspunkt für ihre Bildräume, jedoch in „unfertiger“ Weise – Baustellen etwa oder Lücken in der Bebauung. Architektur wird für Kiebacher eine Medium, um fotografische Bilder und ihre Funktionsweise – Fotografie als Abbildung der Wirklichkeit? – zu befragen, zu hinterfragen. Architektonische Szenen sind gewissermaßen die Bühne, auf und mit der sie ihre Bildforschung betreibt. Denn letztendlich ist auch eine Fotografie, die Aufnahme eines Moments, vor allem eine Konstruktion, wie Kiebacher sagt.

deconarch.com hat mit Katharina Kiebacher ausführlich über ihre Arbeit geschrieben, welche Rolle die Architektur als Motiv für sie spielt und wie Werke entstehen, und so einen intensiven Einblick in das Schaffen der Künstlerin bekommen.

 

illus. (c) Katharina Kiebacher / VG Bild-Kunst, Bonn, 2017
www.katharinakiebacher.de

 

INTERVIEW

Sie arbeiten mit Architekturmotiven und vor allem mit dem Abbilden von architektonischen Räumen. Was interessiert Sie daran?

B/W Corner 2010 C-Print 45 x 65 cm aus der Serie „Unklare Räume“

B/W Corner 2010, C-Print, 45 x 65 cm, aus der Serie „Unklare Räume“

Mein Interesse für Architekturmotive ist geleitet von der Frage nach dem Bildraum. Im Falle der Fotografie ist das eine ganz spezielle Frage, da fotografische Bilder vorgeben, Dokument zu sein und Realität abzubilden. Hier verschmilzt also mehr als in anderen Medien ein realer Raum mit einem imaginären Bildraum. Diese Durchmischung von Realität und Fantasie, von Außen- und Innenwelt interessiert mich, die Mehrdeutigkeiten, die sich dadurch ergeben.

Dabei verschmelzen Innen und Außen oft in Ihren Arbeiten …

Ich arbeite oft mit Irritationen von Bildraum, also Verschmelzungen von Vorder- und Hintergrund, der Auflösung von eindeutigen Dimensionen und der Benutzung von Architekturelementen als abstrakte Farbflächen oder als kompositorische Elemente.

Architekturmotive sind dabei sehr dienlich, da Architektur Raum erfahrbar macht: Sie trennt innen von außen und kreiert damit bestimmte Raumerlebnisse. In Innenräumen gibt es Ecken, Wände, Begrenzungen und Durchlässe, ein Unten und Oben und die Dimension zum Menschen. In der Außenwelt erscheint die Architektur als Form, an der z. B. der unbegrenzte Raum der Landschaft anstößt, angrenzt.

Bei dieser Konstruktion von fotografischen Bildern ist Architektur – die ja selber ein großes konstruktives Element in sich trägt – für meine Arbeiten immer von großer Relevanz gewesen. Mich interessiert besonders die Transformation, die stattfindet, wenn ein dreidimensionaler Raum vor der Kamera in ein zweidimensionales Bild verwandelt wird. In den letzten Jahren habe ich mich damit beschäftigt, das zweidimensionale Bild wieder in ein dreidimensionales Objekt oder eine räumliche Installation zurückzuführen.

Zum Beispiel in der Arbeit „Thin and Thick Lines“, die mit Video und Fensterausschnitten in einer räumlichen Situation arbeitet.

Thin and Thick Lines 2011 HD Videoinstallation Videostill

Thin and Thick Lines, 2011, HD-Videoinstallation (Videostill)

Im Video sind farbige Papierflächen im Vorder-, Mittel- und Hintergund gestaffelt angeordnet und bewegen sich gegeneinander. Der Kamerastandpunkt ist fest, allerdings wandert der Fokus des Bildes konstant von vorne nach hinten und wieder zurück. Dadurch ist nicht mehr eindeutig festzustellen, was vorne und was hinten ist und welche Perspektiven sich auftun oder wieder verschwinden. Das Video läuft in einem Raum, der zusätzlich so mit Fensterausschnitten ausgestattet ist, dass diese bei einem bestimmten Standpunkt des Betrachters mit den Bildern im Video korrespondieren. Damit wird auch Architektur, die außerhalb des Ausstellungsraumes liegt, miteinbezogen. So gibt es verschiedene fotografische Parameter, die in den 3-dimensionalen Raum hineingebracht werden.

Thin and Thick Lines 2011 HD Videoinstallation Installationsansicht „Sunbeam in the Glasshouse“, Düsseldorf 2011

Thin and Thick Lines, 2011, HD-Videoinstallation (Installationsansicht „Sunbeam in the Glasshouse“, Düsseldorf 2011)

In diesem Sinne benutze ich Architektur also eigentlich, um über fotografische Bilder sprechen zu können, sie fungiert wie ein Filmset oder eine Bühne, auf der sich bestimmte Themen entfalten können. Sie ist wie ein Konstruktionspartner für den Bildaufbau.

Hat das Interesse am Konstruktiven zu den architektonischen Motiven geführt oder hat sich eher aus der Beschäftigung mit Architektur das Interesse am Konstruktiven ergeben?

So ganz eindeutig ist das nicht. Allerdings habe ich Fotografie bzw. Kunst studiert und nicht Architektur, also kommt der Impuls schon vom fotografischen Bild.

Bei vielen meiner Arbeiten geht es inhaltlich darum, die Lesart von Fotografie als Abdruck der realen Welt zu hinterfragen. Und damit auch die Wahrnehmung von Wirklichkeit, da Fotografie vorgibt, diese zu spiegeln. Eine Strategie dabei ist es, die Grenzen und Überschneidungen mit anderen Disziplinen – vor allem der Malerei und der Bildhauerei – zu beschreiben, um die Parameter des Mediums zu definieren. Mir ist es wichtig herauszustellen, dass das fotografische Bild vor allem eine Konstruktion ist, egal wie realistisch diese aussehen mag. Dazu ist es notwendig zu beleuchten, wie fotografische Bilder konstruiert sind und wie sie funktionieren. Damit habe ich die Konstruktion zum Thema meiner Bilder gemacht und formale Aspekte in den Vordergrund gestellt. Trotzdem ist auf meinen Fotografien ja auch immer etwas Bestimmtes zu sehen. Und das spielt auch eine Rolle, steht aber nicht im Vordergrund.

Um das Konstruierte oder einen gebauten Bildraum an einer Fotografie deutlich zu machen, reicht es nicht, Architektur abzufotografieren. Es muss deutlich werden, wie Elemente im Bild räumlich zusammengefügt werden und das macht man am besten, wenn man gegen das Motiv arbeitet. Wenn sich also z. B. Teilflächen aus Vorder- und Hintergrund zu einer eigenständigen Form zusammenfügen und nicht in ihrem ursprünglichen logischen Verbund bleiben. Oder wenn in mehreren Bildern Farbflächen auftauchen, die aufeinander Bezug nehmen und das Motiv verschwinden lassen.

Das klingt nach digitalen Eingriffen am Bild?

aus der Serie: Four Squares 2013 C-Print 32 x 40 cm

aus der Serie: Four Squares, 2013, C-Print, 32 x 40 cm

Es gibt immer zuerst das Bild, das Fotografieren mit der Kamera steht – zumindest bei meiner rein fotografischen Arbeit – im Zentrum. Danach findet dann eine Auswahl des Materials und auch eine digitale Bildbearbeitung statt, aber meine digitalen Eingriffe sind gar nicht so riesig dabei. Meistens verstärke ich nur die Aspekte, die sowieso schon im Bild angelegt sind. Also mache z.B. Farb- und Helligkeitskorrekturen und manchmal ein wenig Retusche, aber ich baue keine Bilder digital zusammen oder stelle sie komplett um. Die Komposition ergibt sich immer durch das Sehen und die Kameratechnik.

Ich wollte daher nie abstrakte Flächen im Studio arrangieren, um damit Bilder zu bauen, sondern die abstrakte Konstruktion anhand eines Wirklichkeitsmotivs umsetzen. Eine Illusion, die als Illusion daher kommt, ist faszinierend, aber sie ist auch in sich logisch und bewahrt dadurch ihre Distanz. Eine Illusion, die als Dokument oder Wahrheit daher kommt, besitzt eine ganz andere Sprengkraft. Das ist für mich interessant.

Wie ist Ihr Arbeitsprozess: Gehen Sie konzeptionell vor oder „finden“ Sie Ihre Themen während des Arbeitens? „Sammeln“ Sie Motive und in der Auseinandersetzung mit ihnen ergeben sich die Themen?

Wien Klee Gerüst 2015 C-Print 67 x 50 cm

Wien Klee Gerüst, 2015, C-Print, 67 x 50 cm

Ich bin immer schon eine große Sammlerin gewesen. Schon als Kind habe ich alle möglichen Sammlungen angelegt, von der klassischen Briefmarkensammlung über Mineralien, Fossilien, Münzen, Kronkorken, Aufkleber usw. Auch meine fotografischen Bilder sind zum größten Teil „gesammelt“, also wenn man so will, durch Zufall gefundene Motive. Allerdings habe ich auch meine bevorzugten Orte, an denen ich fündig werde. Es sind häufig Gebiete, die sich irgendwie im Umbruch oder in Entwicklung befinden z.B. Stadtrandgebiete, Neubausiedlungen, Baustellen, Industriegebiete. Auch häufig Gegenden des Übergangs, also zwischen Bebauung und Brache, immer da, wo es ein bisschen unfertig und ungestaltet ist. Ich glaube, dass es genau das ist, was ich dann in den Bildern leisten kann: also nicht ein Abfotografieren und bloßes Sammeln bestimmter Motive, sondern ein gestalterischer Eingriff, eine Bildkonstruktion aus Teilen, die noch nicht ästhetisch durchdacht und zusammengefügt wurden. Wenn alles schon gestaltet ist, kann ich nicht mehr viel damit anfangen, es eignet sich dann nicht mehr zum „Bilderbau“.

Dies gilt für die zweidimensionalen Arbeiten …

Bei den Arbeiten, bei denen ich Fotografie mit Keramik verbinde und die eher skulptural sind, funktioniert es ein bisschen anders. Hier stehen schon stark Überlegungen zur Form im Vordergrund und ich mache viele Skizzen bevor ich etwas umsetze. Häufig sind es bestimmte Aufnahmen, von denen ich ausgehe und dafür Formen entwickle. Manchmal ist es auch andersrum und die Idee für eine Form ist zuerst da und ich mache ich dann auch gezielt Aufnahmen dafür, die z.B. eine bestimmte Farbigkeit besitzen.

untitled (handrail) 2016 Laserprints, Styropor, kaschierte C-Prints, glasierte Keramik Installationsansicht „Object Eject“, Japanisches Kulturinstitut Köln 2016

untitled (handrail), 2016, Laserprints, Styropor, kaschierte C-Prints, glasierte Keramik (Installationsansicht „Object Eject“, Japanisches Kulturinstitut Köln, 2016)

Letztes Jahr habe ich für das Japanische Kulturinstitut in Köln einen Handlauf installiert, der aus dreidimensionalen Fotografien und Keramikelementen bestand. Die Arbeit war abgestimmt auf den großen Treppenaufgang im JKI, der den Eingangsbereich mit dem Obergeschoss verbindet. Das Gebäude wurde nach Entwürfen des japanischen Architekten Yoshimi Ohashi gebaut und ist mit traditionellen Werksstoffen gestaltet wie Holz und Beton und mit großen Fensterflächen. In diesen Raum, der durch warme Erdtöne, grau, braun, und weiße Wände geprägt ist, wollte ich eine leuchtende Farbigkeit einbringen. Ich habe daher Bilder aus dem Berliner Aquarium verwendet, also Motive aus einer Unterwasserwelt mit bunten und künstlich grellen Farben. Ich fand das Aquarium auch deshalb so interessant, weil man dort auch so an einer gläsernen Oberfläche gestoppt wird: Dahinter ist ein Raum, den man zwar visuell erfassen, aber nicht richtig erleben kann. Ein bisschen wie mit der Fotografie.

Sie arbeiten mit einer Bandbreite an Materialien – mit welchen arbeiten Sie bevorzugt für welche Fragestellungen?

Ich mache gerne öfter was Neues, die Entdeckungen, die man bei der Arbeit mit einer neuen Technik oder einem neuen Medium macht, bergen immer großes Potenzial. Nach einer Weile hat man dann eine bestimmte Art, mit etwas umzugehen, und kann diese verfeinern. Aber der Anfang ist immer das Spannendste und besitzt eine unvergleichliche Direktheit und Energie.

Roter Laster 2003 C-Print 16 x 24 cm

Roter Laster, 2003, C-Print, 16 x 24 cm

Ich habe lange vor allem mit Video gearbeitet, was ja in Bezug auf die Kameratechnik stark verwandt mit der Fotografie ist. Es hat mich interessiert, wie es wäre, einem fotografischen Bild eine zeitliche Dimension, eine bestimmte Dauer zu geben. Ich habe dann bestimmte Motive genauso wie eine meiner Fotografien komponiert, aber gefilmt. Mit einem festen Bildausschnitt und einer unbewegten Kamera. Ich hatte früher oft auf einem Kontaktbogen unendlich viele Fotos vom selben Motiv, das war auch schon wie ein Filmstreifen und jetzt konnte sich in dem Motiv noch eine kleine Handlung abspielen. Also z. B. konnte sich das Licht verändern oder Fahrzeuge, die eine bestimmt Farbigkeit hatten, kurzfristig im Bildaufbau auftauchen und dann wieder verschwinden. Ich konnte also auch verschiedene Bildvarianten in einer Arbeit zusammenfassen.

Vor ein paar Jahren hat mich dann die räumlich Dimension und die Materialität von Fotografie sehr beschäftigt, und ich habe angefangen mit Keramik und Installationen zu arbeiten. Gerade die Kombination mit Keramik, die so grundverschieden ist von der Fotografie, hat für mich ein ganz neues Feld eröffnet. Ich wollte weg von der konventionellen Lesart der Fotografie als reine Beobachtung und sie als expressives Medium benutzen, das in der Lage ist, auf vielfache Art Realität abzubilden, nicht nur über Motiv und Zeitpunkt. Ich wollte weg von der Präsentation an der Wand und der glatten Oberfläche hin zu etwas Dinghaftem, Organischem und Handgemachtem. Den Umweg über ein anderen Medium zu wählen, um fotografischen Fragen näher zu kommen, macht vieles deutlicher.

Die wohl schwierigste Frage zum Abschluss: Was beschäftigt Sie in Ihrer Arbeit, was bedeutet Kunst machen für Sie?

Insel 2003 C-Print 16 x 24 cm

Insel, 2003, C-Print, 16 x 24 cm

Das ist für mich auch immer noch ein Rätsel und gleichzeitig die treibende Kraft: dass man nicht genau weiß, um was es geht. Es liegt eine Schönheit darin, etwas um seiner selbst willen zu tun, eine Poesie der Zweckfreiheit. Dem fühle ich mich sehr verbunden.

Als ich begonnen habe, Kunst zu machen, gab es zum einen den starken Wunsch, Dinge zu transformieren, aber auch aus einer Menge von Eindrücken das Wesentliche herauszufiltern. Meine ersten fotografischen Arbeiten sind ganz stark davon geprägt, etwas so einfach und klar wie möglich auf ihr Wesentliches zu reduzieren. Also mit einem ganz einfachen Bildaufbau und mit ganz schlichten Themen zu arbeiten, ohne Einsatz von “Effekten”.

Daraus hat sich dann zunächst auch ein starkes formales Interesse ergeben, als ein Instrument, um diese Einfachheit zu erzeugen. Andererseits haben mich auch immer Mehrdeutigkeiten fasziniert, also dass etwas zu gleichen Teilen Verschiedenes sein kann, z. B. auch eine Gleichzeitigkeit von Emotion und Intellekt. Von diesen Ausgangspunkten hat sich inzwischen ein ganzes Geflecht von Bezügen aufgebaut, das eine eigene Logik und verschiedene Schwerpunkte besitzt.

Wer inspiriert Sie? Gibt es Vorbilder?

Es gibt viele Künstler und Regisseure, die ich bewundere und deren Arbeiten ich sehr schätze, es ist daher schwer jemanden singulär zu benennen. Ich erinnere mich aber noch genau an den Moment, in dem ich die Arbeit von James Benning zum ersten Mal gesehen habe.

Das war während meines Studiums in Essen und ich habe nachts meistens lange gelesen oder war wach und der Fernseher lief mehr oder weniger nebenbei. Ich hatte immer einen Videorekorder über meinen Fernseher stehen, um bei etwas Interessantem auf „Aufnahme“ zu drücken. Und im Nachtprogramm bei Arte oder 3sat lief dann in den Morgenstunden „El Valley Centro“, eine minimalistische Dokumentation über die kalifornische Landschaft und ihre industrielle Nutzung. Es waren einfach nur gefilmte Sequenzen aneinandergereiht, ohne Kommentar. Die Aufnahmen waren meinen Fotografien unheimlich ähnlich, nur dass es eben in Film war. Das ganze hatte so eine Intensität und die Bilder waren so stark, das hat mich sofort gepackt.

Ansonsten versuche ich mir viel anzuschauen, auch viele Filme. Und ich habe eine ganze Sammlung von Bildmaterial auf dem Rechner, nicht nur Kunst, sondern Bilder ganz allgemein. Die fließen dann auf eine indirekte Art wieder in meine Arbeiten ein.

Katharina Kiebacher, haben Sie herzlichen Dank für die intensiven Einblicke in Ihre Arbeit!