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Junimond | Anna LEHMANN-BRAUNS in Konstanz


Interior spaces are Anna Lehmann-Brauns‘ focus. She finds them in hotels, discos, theaters, cinemas, clubs, bars, film studios and manufacturing plants. Her detailed interiors seem to have fallen out of time, everything seems to stand still. The strongly colored sceneries adhere to something magical, partly bizarre. The photo artist tells stories that draw us deeply into the picture and challenge our imagination. Are these real spaces, or backdrops, or stages? And where are the inhabitants?

 

Anna Lehmann-Brauns: The Stud, San Franzisco, 2016 © Anna Lehmann-Brauns

Anna Lehmann-Brauns: The Stud, San Franzisco, 2016 © Anna Lehmann-Brauns

Anna Lehmann-Brauns

Junimond

17. Februar bis 8. April 2018

Kunstverein Konstanz

www.kunstverein-konstanz.de

 

 

 

 

 

 

 

 

PR Info _ Räume sind das zentrale Motiv von Anna Lehmann-Brauns. Sie findet sie in Hotels, Diskotheken, Theatern, Lichtspielhäusern, Clubs, Bars, Filmstudios und Fabrikationsanlagen. Ihre detailgetreuen Interieurs wirken wie aus der Zeit gefallen, alles scheint still zu stehen. Den farbstarken Szenerien haftet etwas Zauberhaftes, teils Skurriles an. Alles gleicht mehr einer subjektiven Zustandsbeschreibung, denn einer objektiven Wirklichkeitsabbildung – unterstrichen durch die gemäldehafte Anmutung der Fotografien. Die Fotokünstlerin erzählt Geschichten, die uns tief ins Bild ziehen und unsere Fantasie beflügeln und unsere Vorstellung herausfordern. Sind das reale Räume oder Kulissen oder Bühnen? Und wo sind die Menschen?

 Anna Lehmann-Brauns: Oasis II, San Franzisco, 2016 © Anna Lehmann-Brauns

Anna Lehmann-Brauns: Oasis II, San Franzisco, 2016 © Anna Lehmann-Brauns

Der Kunstverein Konstanz präsentiert in Zusammenarbeit mit der Konstanzer Galerie Grashey eine Übersicht über Lehmann-Brauns Schaffen der letzten Jahre. Gezeigt werden Ausschnitte aus den Werkreihen Deaf/Taub, Paradise Lost und Spandau, die von Räumen urbanen Lebens aus neuerer Zeit handeln. Das Hauptaugenmerk der Schau richtet sich auf die jüngste Serie der Künstlerin mit dem Titel WildSideWest. Diese entstand 2016 während eines mehrmonatigen Aufenthaltes in Kalifornien. Hier widmet sie sich intensiv alternativen Lebensformen in San Franzisco. In dem für seine LGBT-Community bekannten und legendären Viertel Castro fotografiert sie Clubs von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen und gewährt Einblick in eine Welt, die viele nie betreten. Charakteristisch für diese Arbeit ist – gleich den anderen ausgestellten Werkreihen – die Abwesenheit von Menschen.

In „WildSideWest“ positioniert Lehmann-Brauns die Kamera dann, wenn weder Bardamen oder Barkeeper noch Inhaber oder Gäste anwesend sind. Es geht nicht um den Menschen, sein Verhalten, seine möglichen Ausschweifungen, ihre Neugier gilt dem Raum, wenn er verwaist ist und den Blick auf Barhocker, Billardtische, beschriftete Schilder und Wandbemalungen freilegt oder Eigenheiten und Geheimnisvolles zu offenbaren scheint. Trotz der Leere sind die Spuren der Menschen sichtbar. Für Matthias Harder von der Berliner Helmut-Newton-Stiftung kommt Lehmann-Brauns fotografischer Ansatz einer systematischen Untersuchung gleich, die nicht nur eine ästhetische, sondern eine gesellschaftliche Studie ist.

Anna Lehmann-Brauns: Trax, San Franzisco, 2016 © Anna Lehmann-Brauns

Anna Lehmann-Brauns: Trax, San Franzisco, 2016 © Anna Lehmann-Brauns

Lehmann-Brauns‘ fotografiert mit klassischen Werkzeugen: Mittelformatkamera, Analogfilm von bis zu 6 x 9 Zentimetern, Stativ. Bis auf die Beseitigung einiger Störenfriede wie Aschenbecher und Zimmerpflanzen, hat sie die Orte wie vorgefunden festgehalten. Das Licht spielt eine zentrale Rolle. Sie nutzt oft das spärliche Licht der Nacht, das lange Belichtungszeiten erfordert. Ob sie ausschließlich das am Aufnahmeort vorhandene Licht verwendet oder die Beleuchtung selbst setzt, ist von der jeweiligen Serie abhängig. Abgesehen von der Beschneidung der Ausschnitte bei der Vergrößerung, werden die Aufnahmen nicht verändert. Zu ihrer handwerklich versierten Arbeitsweise gesellt sich eine bildnerische Inspiration. Mit hell erleuchteten Bildteilen im Kontrast zur dunklen Umgebung, mit opulentem Rot, Türkis, Braun oder Lila und mit bestechend klarer Komposition verleiht sie ihren Bildern Glanz und Schönheit. Ihre Fotografien sind durch und durch abbildhaft und real und doch zugleich malerisch und illusionär. Ihre formal unterschiedlichen Serien entfalten die gleiche Wirkung.

JUNIMOND, der Titel der Ausstellung, ist dem gleichnamigen Lied des früh verstorbenen Rio Reisers entnommen, dessen Songs eine wichtige Rolle in Lehmann-Brauns Jugend und Erinnerungswelt spielen.

Info + illus. courtesy Kunstverein Konstanz